MARK VAN HUISSELING trifft...

TOMMY HILFIGER

Er war aussergewöhnlich erfolgreich. Und hat ein aussergewöhnliches Buch geschrieben.

Hilfiger Kabine
«Mein Konkurs, meine Scheidung ...»: Ehemaliger Modeunternehmer und Buchautor Hilfiger, 65. (Bild: Cyrill Matter)

«Das Buch über Ihr bisheriges Leben, das Sie veröffentlicht haben [mit Peter Knobler, einem ehemaligen Journalisten], ist ein sehr offenes, ehrliches Buch. Weshalb?» – «Ich denke, wenn man so etwas macht, sollte man es richtig machen. Ich habe nichts zu verstecken. Und wenn es einigen Leuten nicht gefällt, kaufen sie vielleicht meine Kleider nicht mehr. Aber ich denke nicht, dass ich etwas schrecklich Beleidigendes erzählt habe.» (Er schreibt etwa, dass er einen gewalttätigen Vater hatte, der ihn als Kind oft schlug. Oder dass wenigstens zwei seiner Kinder Drogenprobleme hatten und dass der kleine Sohn, den er mit seiner zweiten Frau hat, autistisch ist.) «Der Titel des Buchs, ‹American Dreamer›, ist schön, aber, mit Respekt, falsch. Ich nehme Sie wahr als Macher, als Realisten ... Träumer bauen keine Firmen, die sie für Milliarden verkaufen.» – «Aber ich hatte Träume, und aus meinen Träumen wurde was. Ich war ein Träumer, ich bin einer; ich träume immer noch, was für mich als Nächstes kommen könnte.» – «Haben Sie auch Albträume?» – «Ich hatte welche: mein Konkurs, meine Scheidung ...»

Thomas Jacob Hilfiger, besser bekannt als Tommy Hilfiger, 65, aus Elmira, New York, ist ein amerikanischer Modedesigner. Was bei Wikipedia nicht steht: Hilfiger ist zuerst Unternehmer, das Entwerfen von Mode kommt an zweiter Stelle. Zusammen mit Geschäfts- und Finanzpartnern baute er seine Marke auf, die zur Hauptsache Kleidung im sogenannten College- oder Preppy-Stil (von preparatory school) anbietet. 2006 verkaufte Hilfiger seine Anteile für 1,6 Milliarden an eine Beteiligungsgesellschaft; rund fünf Jahre später verkaufte diese die Firma weiter an die amerikanische Modegruppe Philips-Van Heusen, für rund 3 Milliarden. Er hat keine erwähnenswerte Beteiligung mehr am Unternehmen und ist Botschafter der Marke, das heisst, er gibt Interviews, eröffnet Läden in wichtigen Städten et cetera; operativer Chef ist der Schweizer Daniel Grieder. Hilfiger ist zum zweiten Mal verheiratet, hat fünf eigene Kinder sowie zwei Stiefkinder; seine Biografie, «American Dreamer», ist dieser Tage (auf Englisch) erschienen, ich empfehle das Buch.

«Sie schreiben, einer Ihrer Manager sei zum Teil dafür verantwortlich gewesen, dass die Firma wieder erfolgreich wurde. Er sei richtig gelegen, andere, inklusive Sie selber, hätten eine Zeitlang nicht recht gehabt. Das liest man selten, meist wird Erfolg nicht geteilt ...» – «Ja, aber es war so. Ich hab mich immer auf Leute abgestützt, um vorwärtszukommen. Es gab und es gibt ungewöhnlich starke Leute in der Firma.» – «Wie führt man Mitarbeiter, die besser sind, als man selber ist?» – «Ich bin sehr selbstsicher bezogen darauf, wo ich mich befinde im Leben – mein Name steht auf dem Logo, ich bin der Schöpfer und Visionär hinter der Marke.» – «Aber wie verhindert man, dass solche Leute Ihren Job wollen?» – «Es ist wie im Sport: Man ist eine Gruppe, die gewinnen will. Jeder ist bereit, alles dafür zu tun, ausser zu betrügen. Ich war der Motivator und Beeinflusser des Teams; ich habe den Erfolg möglich gemacht, meine Leute gelobt und belohnt.»

«Wie wichtig ist Glück?» – «Man braucht Glück, um gross zu werden. Aber auf Glück kann Unglück folgen – wir waren übermässig erfolgreich in Amerika zu Beginn der [19]90er Jahre, doch gegen Ende des Jahrzehnts bekamen wir aufs Dach, und einige Partner verkauften ihre Anteile, stiegen aus ... Aber mit guten Leuten kann man das Glück ein wenig beeinflussen.» – «Wenn man vier Jahrzehnte im Geschäft ist, sollten glückliche und weniger glückliche Phasen gleichmässig verteilt sein, nicht wahr?» – «Ich hoffe es. Und dann noch das: Eine erfolgreiche Laufbahn ist mit harter Arbeit verbunden. Man darf nie ausruhen, muss immer weitermachen – wie perfektionieren wir dieses oder jenes? Was tun wir als Nächstes?» – «Ihr Einkommen 2016 wird 33 Millionen Dollar erreichen; das heisst, in der Zeit, in der wir reden, verdienen Sie 15 000 Dollar. Der hochgerechnete Medienwert der Artikel, die ich veröffentlichen werde, liegt aber bei etwa 100 000 Franken oder Dollar – Sie sind unterbezahlt.» – «Haha, ich werde es dem CEO, meinem Freund Daniel Grieder, sagen.»

Sein liebstes Restaurant:
Harry’s Bar, Calle Vallaresso 1323, Venedig, Italien, Tel. +39 (0)41 528 5777

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