MARK VAN HUISSELING trifft...

LANG LANG

Was dem chinesischen Pianisten und Klassikstar wichtig ist.

Lang Lang Kolumne
«Es ist sehr teuer, wissen Sie?»: Musiker und Markenbotschafter Lang Lang, 34. (Bild: Robert Ascroft/Sony Classical)

Sie sind ein berühmter und erfolgreicher Pianist. Aber angesehene Musiker sowie wichtige Kritiker urteilen streng über Sie beziehungsweise über Ihr Spiel. Weshalb?» – «Das sehe ich nicht so. Ich denke, ich hatte viel Glück, so eine Karriere machen zu können. Und, ehrlich, die Kritiken wurden besser in den vergangenen Jahren. Aber es wird immer Leute geben, die eine andere Meinung haben. Und das ist in Ordnung. Falls plötzlich jeder sagt, ich sei grossartig, dann werde ich denken: ‹Jetzt mache ich was falsch.›» – «Haha.» – «Nein, im Ernst. Als Künstler kann man es nicht jedem recht machen, sonst ist man kein Künstler mehr. Man braucht starke eigene Positionen. Ich mag es, einen eigenen Stil zu haben, ich will speziell sein.» – «Finden Sie es wichtig, was andere Musiker und Kritiker über Sie sagen?» – «Es interessiert mich, und ich respektiere andere Meinungen. Aber ich bin nicht besorgt, wenn es jemandem nicht gefällt, was ich mache und wie ich spiele. Dafür habe ich zu viel zu tun.»

Lang Lang, 34, ist ein chinesischer Pianist. Er soll mit drei Jahren angefangen haben, Klavierstunden zu nehmen, mit fünf gab er erste öffentliche Konzerte, und als junger Erwachsener spielte er bereits unter grossen Dirigenten (Daniel Barenboim, Simon Rattle, Lorin Maazel) oder gab Solokonzerte auf Bühnen angesehener Häuser (Carnegie Hall, New York, Royal Albert Hall, London). Er trat aber auch in der deutschen TV-Show «Wetten, dass ... ?» auf sowie anlässlich der Eröffnung der Fussballweltmeisterschaft in Deutschland (2006) respektive der Olympischen Spiele in Peking (2008) oder mit Metallica, einer Heavy-Metal-Band, an den Grammy Awards, den amerikanischen Musikpreisen, in Los Angeles (2014). Oliver Schnyder, der Schweizer Pianist mit internationaler Ausstrahlung, sagte mir: «Ich bewundere seine Energie, er ist ein phänomenaler Pianist. Nicht meine Welt, aber sein Spiel hat immer eine Aussage.» Doch einige aus der Pianistenzunft und der Kritikerwelt beurteilten Lang Lang skeptisch, bisweilen ganz und gar ablehnend, sagte Schnyder weiter. Mein Gespräch mit Lang Lang fand im Hublot-Geschäft in Hongkong statt, er ist Botschafter der Uhrenmarke (ich war Gast des Unternehmens). Er ist unverheiratet und kinderlos, lebt in Peking, New York und Paris, wo er je ein Haus oder eine Wohnung hat.

«Sie arbeiten mit verschiedenen Unternehmen zusammen [von Hublot etwa gibt es ein Modell mit Minutenrepetition ihm zu Ehren], besteht die Gefahr, dass Ihre künstlerische Freiheit dadurch eigeschränkt wird?» – «Nein, kommerzielle und künstlerische Arbeit sind zwei verschiedene Dinge.» – «Aha, und das eine hat nichts mit dem anderen zu tun?» – «Richtig, obwohl das viele Leute missverstehen. Dabei ist es so, dass kommerzielle Arbeit die Lage des Künstlers verbessert: Wenn ich mit einer Marke zusammenarbeite, komme ich an ihre Kunden ran mit meiner Musik. Und die Marke wiederum will von mir meine Ausstrahlung und meine Bekanntheit. Es ist also eine Win-win-Situation. Und die Brücke dazwischen ist – Musik. Wenn mich ein Unternehmen finanziell unterstützt, kann ich Aufnahmen machen, die ich sonst nicht bezahlen könnte. Es ist sehr teuer, Musik aufzunehmen, wissen Sie? Und Plattenfirmen sind nicht immer bereit, die Rechnung zu zahlen. Doch es geht nicht nur ums Geld, es geht auch um Ideen. Und Geschäftsleute haben oft grossartige Ideen. Natürlich nicht alle, für mich wäre es zum Beispiel nicht attraktiv, mit einer Instant-Nudel-Firma zusammenzuarbeiten, mit einer Uhrenmarke schon.» – «Wie wichtig ist Ihnen kommerzieller Erfolg?» – «Künstlerischer Erfolg ist für mich am wichtigsten. Aber wenn ich zudem geschäftlich erfolgreich bin, macht mich das glücklich.» – «Musik kommt also an erster Stelle?» – «Ja, klar, das ist mein Fokus. Wenn ich mich darin gestört fühlen würde als Künstler, würde ich alles andere zuerst aufgeben. Aber es ist so, dass man mich [als Markenbotschafter et cetera] sowieso nur will, solange ich ein erfolgreicher Musiker bin; wer möchte schon Werbung machen mit einem Pianisten, der crap [Mist] spielt? Haha.»

«Was ist das Wichtigste, das Sie von Ihrem Vater gelernt haben?» (Er war streng, machte Druck, damit der Sohn erfolgreich wird, weil das Geld der Familie für seine Klavierausbildung draufging.) «Nie aufzugeben; er war hart zu mir, als ich noch sehr jung war, zu hart. Aber heute sind wir gute Freunde.» – «Wer ist der beste Pianist aller Zeiten?» – «Wladimir Horowitz. Oder Arthur Rubinstein.» – «Was werden Sie als Nächstes tun?» – «Eine Asientour – zwanzig Konzerte in fünfzig Tagen.»


Eines seiner liebsten Restaurants: Trattoria Dell’Arte, 900 Seventh Avenue, New York, Tel. +1 212 245 98 00

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