MARK VAN HUISSELING über...

SCHWEIZER PRET-A-PORTER

Die Leistungsshow «Mode Suisse» zeigt, was modisch los ist in unserm Land.


Mode Suisse Lyn Lingerie
«Für die junge Geschäftsfrau»: von Lyn Lingerie.

Vergangene Woche präsentierten zehn Schweizer oder in der Schweiz arbeitende Designer an der «Mode Suisse»-Veranstaltung im Migros-Museum für Gegenwartskunst in Zürich ihre Entwürfe für Herbst/ Winter 2017/18. Die Rahmenbedingungen – Multimedia-Equipment, Beleuchtung sowie Musikauswahl, die die Defilees begleitete – entsprachen denen, die man von Modeschauen in Paris, Mailand oder London gewohnt ist. Die Zahl der Besucher war hoch, schätzungsweise 350 Journalisten, Blogger, Einkäufer, Coiffeure und Berühmtheiten; der «Laufsteg» (Fussboden) war mit Teppichen von Schönstaub belegt, was dem untermöblierten und -dekorierten Raum ein wenig von seiner Kühle nahm. Was die Models angeht, war das Niveau, wie es bei Modeschauen in Zürich öfter ist: unterschiedlich. Einige hatten die Looks und Haltung respektive den Gang, den richtige Models brauchen.

Ebenso heterogen wie die Qualität der Mädchen war, in meinen Augen, die der gezeigten Mode. Verkürzt lässt sich sagen: Arriviertere und bekanntere Designer präsentierten Kollektionen, denen man ansah, weshalb ihre Macher arriviert und bekannt sind. Dasselbe gilt entsprechend für die Entwürfe der weniger arrivierten, unbekannteren Verantwortlichen und deren Marken.

Die Aufgabe von Mode ist vor allem, ihre Trägerinnen schöner und anziehender aussehen zu lassen. Modemacher, die schon länger im Geschäft sind – oder jedenfalls im Geschäft bleiben wollen –, haben das auf ihrem Weg gelernt. Und dass sich, hart ausgedrückt, Hässlichkeit schlecht verkauft sowie Originalität des Entwurfs oder Einfallsreichtum im Kombinieren von Materialien selten dazu führen, dass Kundinnen das Herz und denen, die für die Stücke zahlen, das Portemonnaie aufgeht.

Einem Designer am Anfang seiner Laufbahn ist es zwar nachzusehen, wenn er nicht der Tausendste sein will, der ein Seidenkleid entwirft, das der Figur einer Frau schmeichelt. Doch das ist wohl der Grund, weshalb Millionen Käuferinnen Dolce-&-Gabbana- oder Ralph-Lauren-Entwürfe lieben. Und bloss wenige Fashion-Bloggerinnen dekonstruierte Teile, die aussehen wie Zwangsjacken, von Hood by Air oder Vetements kaufen würden, falls sie 2000 Dollar dafür zahlen könnten.

Gelungen in Entwurf und Umsetzung fand ich die Männerstücke von Julian Zigerli, einem der am stärksten beachteten Schweizer Designer zurzeit. Er beschreibt seine Kunden als entspannte Vielreisende, die Spass haben wollen – weite Jacken, Mäntel und Hosen mit schönen Details, die zeigen, dass Zigerli das Schneiderhandwerk versteht, passen diesem Kundenkreis, denke ich.

Julia Seemann, die schon an der Berlin Fashion Week ihre Modelle gezeigt hat, fand am ehesten die Schnittmenge aus einer eigenen Modevorstellung und Teilen, die nicht besonders originell, dafür sexy daherkommen: Sie kombinierte etwa an die 1980er Jahre erinnernde Tops mit aufgedruckten Textzeilen aus Songs von wenig bekannten Bands mit High-Heel-Overknees aus Lack. An der Dessous-Kollektion von Lyn Lingerie gefielen mir nicht bloss die BH, Slips, Korsetts und Hausmäntel, sondern auch die Geschäftsidee – althergebrachte Schweizer Spitzenkompetenz neu interpretiert für die «junge Geschäftsfrau oder die alte Dame, die drunter gern was Schönes trägt» (Originalton). Das kann funktionieren.

Funktionieren, und gefallen, tut auch die Mode von special guest Dorothee Vogel, der wohl erfolgreichsten Schweizer Designerin; sie zeigte verspielte Versionen ihrer Trademark-Lederhosen – weite Shorts, Hot Pants – und ganz kurze oder ganz lange Daunenjacken und -mäntel aus der aktuellen Kollektion. Persönlich enttäuschte mich das Angebot von En Soie, einer Marke aus Zürich, deren Geschirr, Accessoires ich mag – die Mode, hochwertig in der Fertigung zwar, lässt sich nur mit dem Wort «eklektisch» beschreiben: Den bestickten Jacken, weiten Röcken oder Kleidern und dem Mantel mit Animal-Print fehlen Stringenz und innerer Zusammenhang.

Schon klar – nicht jede Kollektion kann ein grosser Wurf sein. Aber macht nichts. Die der Show zugrundeliegende Botschaft der Show mit Namen by invitation only ist: Es gibt ein Modeschaffen in der Schweiz. Und dass man es zweimal jährlich in einem Aufwisch ansehen kann, ist eine gute Sache für die Branche und die Zuschauer.

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