MARK VAN HUISSELING über...

«DER DEAL DER DREI NAMEN»

Ein neuer Schweizer Roman – der Erstling von Erik Nolmans – spielt in der Wirtschaftswelt. Endlich.

Nolmans Newsletter
Erik Nolmans, 55, hat sich als Schriftsteller mit Geld und Menschen, deren Lebensziel das Verdienen desselben ist, auseinandergesetzt (Bild: Bilanz).

Es beginnt mit einem Freitod – eine Frau geht ins Wasser des St.-Moritzersees. Und es hört auf mit einem, dann doch nicht vollzogenen Freitod – ein Mann bremst seinen Range Rover ab, bevor er damit ins Bürohaus rast. Dazwischen geht es um grosse Egos und grosse Deals. Und grosse Gefühle, die die längste Zeit nicht gezeigt werden können und wollen.

Erik Nolmans, stellvertretender Chefredaktor der Wirtschaftszeitschrift Bilanz, hat seinen ersten Roman geschrieben (der Autor und ich sind bekannt miteinander; sein Verleger bringt im Herbst meinen ersten Roman heraus). Dieser spielt in der Welt des Geschäftemachens, in der sich die Figuren respektive der Ich-Autor auskennen, und ist spannend sowie mit Tempo erzählt. Es geht um einen Hedge-Fund-Chef, der ein master of the universe sein möchte, aber eigentlich bloss besser als sein Vater. Und um einen Bankangestellten, der lieber Kunstmaler wäre, sich aber doch dem Geldverdienen zuwandte, wenn auch nicht mit vollem Einsatz und höchstens halber Hingabe. Sowie um eine Frau, die zu einem Teil Superhirn, zu einem Drama-Queen und zu einem Teil ängstliches Mädchen ist, das gerettet werden möchte. Die Männer sind Widersacher im Business nach aussen, nach innen geht es um das Mädchen. Oder jedenfalls um dessen Besitz.

In der Welt der Gefühle kennen sich die Figuren – oder der Autor? – weniger gut aus. Was aber nicht heisst, dass entsprechende Stellen weniger lesenswert wären. Im Gegenteil. Es interessiert, ob hinter der teuren Hemdbrust des Alphamanns ein Herz schlägt und ob der Banker wider Willen den ihm scheinbar Überlegenen schlagen möchte, obwohl das anstrengend ist. Und ob die Frau weiter täglich bis Mitternacht arbeiten möchte – oder sich vielleicht doch auf einen Menschen einlassen und diesen lieben möchte. Dass das Geschäftemachen bloss ein Spiel ist, bei dem einer heute gewinnt, was ein anderer verliert, wird bald klar. Dem Leser wenigstens. Der Autor, so sieht’s aus, misst dem Dealen Bedeutung bei und kann darin einen Sinn erkennen.

Die wohl grösste Leistung Erik Nolmans’: Er hat sich als Schriftsteller mit Geld und Menschen, deren Lebensziel das Verdienen desselben ist, auseinandergesetzt. Denn für das Deuten und Erklären unserer Zeit braucht es auch eine Auseinandersetzung mit der Wirtschaft und ihren Subjekten.


Erik Nolmans:
Der Deal der drei Namen. Offizin. 270 S., Fr. 28.90

Newsletter
jetzt abonnieren