Mein Kleingedrucktes
Unser Kolumnist ist zurück von der Insel und fährt auf das «Top Of The World». Zudem findet er in Zürich einen «It-Boy».
Blick aus Haus in Suvretta nach Silvaplana, 18. Dezember 2011.Vergangene Woche war ich in Ibiza sowie in St. Moritz. Von den Tagen auf der Insel habe ich bereits erzählt («Es gibt zurzeit fast keine Touristen, nur Einheimische und zugewanderte Ausländer. Man lebt wie in irgendeiner spanischen Stadt am Meer, mit anderen Worten: schön, gut und in Ruhe»). Was ich nicht geschrieben habe: Man lebt preiswert zudem. Im «Bon Lloc» zum Beispiel, einem Restaurant, in dem es das gibt, was bei uns «gute» und/oder «bürgerliche» Küche heissen würde, kosten mittags drei Gänge (Wein, Bier oder Wasser inklusive) weniger als zehn Euro. Oder im «Out Of Time People» («noospheric ambient»; so etwas wie das «Hiltl» in Zürich, mit besserer Musik) dito, bloss bekommt man zu dem Dreigänger Grünen Tee statt Alkohol.
Falls meine «Restaurants-in-Zürich-die-ich-2011-besuchte-Zusammenfassung» nur vier Worte (plus zwei Kommata) lang sein dürfte: Ziemlich gut, teuer, unfreundlich. (Das war eine Einschätzung, wie man sie von MvH von früher kennt, falls man ihn schon länger liest und solche Sachen im Gedächtnis behalten kann –verallgemeinernd, streng urteilend, Ablehnung ausdrückend.) Zwei Ausnahmen, die mir in den Sinn kommen: Das «Bianchi» (gut, teuer, freundlich) und das «Kaufleuten» (gut, nicht so teuer, freundlich). Plus zwei, in die ich eine Zeit lang ging, jetzt nicht mehr gehe, da sie den Regelfall darstellen: Das «La Piazetta» sowie die «Seerose».
Seit 2011, wenn wir dabei sind, zurück zu blicken, hat auch Zürich einen sogenannten «It»-Boy (ein bisschen berühmt dafür, ein bisschen berühmt zu sein): Reto Hanselmann, 30, sieht gut aus, ist nett und... schwierig, mehr zu berichten (was sein claim to fame ist genau, ausser, so sieht es aus, es fertig zu bringen, dass Träger halbfetter Namen sich von ihm einladen lassen). Auf jeden Fall ist er Götti eines Kindes von Roman Kilchsperger und Viola Tami und an seinem Geburtstagsfest habe ich, ausser den beiden, Roman und Nikol Camenzind gesehen sowie Zazou Mall, Fabienne Louves und Jubaira Bachmann. Einverstanden, vielleicht hätte ich schreiben sollen, «seit 2011 hat auch Zollikon einen sogenannten ‹It›-Boy» (dort befindet sich das Haus seines Freundes [oder Mannes, ein Deutscher mit ein bisschen Geld], wo er eine recht grosse Halloweenparty veranstaltete, Gästeliste soll deckungsgleich gewesen sein; ich konnte nicht hin, musste auf ein Fest von Elton John nach London). Falls er berühmt wird – hier haben Sie es zuerst gelesen.
In St. Moritz war ich Gast im «Carlton», einem Hotel, das ich seit Jahren empfehle. Und in Champfèr, drei Kilometer oder so entfernt, im neu eröffneten/frisch renovierten «Giardino Mountain» («5-Sterne-Refugium», stand in der Medieneinladung, bestätige ich); der Umbau des ehemaligen Hotels «Guardalej» ist gut herausgekommen, finde ich (vielleicht ein wenig viel «Swiss Alpine Chic», man wird sehen, ich empfehle es ebenfalls). Besitzer der Giardino Hotel-Group (dazu gehören ausserdem das «Giardino»in Ascona und «Giardino Lago» in Minusio) ist Daniel Borer, Arzt und Unternehmer («besitzt viele Talente», NZZ am Sonntag). Sein Vater, Harry Borer, nebenbei, hatte vor sieben Jahren die Firma Rolex Biel, in der Werke für Rolex-Uhren hergestellt werden, an Rolex verkauft, für 1,5 Milliarden oder mehr. MvH findet es gut, dass der Erbe einen Teil des Gelds in Unternehmen investiert (und dass, so gesehen, die Fa. Rolex auch einmal etwas für ihn tut. Was ich sagen will, bei Rolex geben sie einem keinen Rabatt, machen keine Geschenke – weil sie es nicht nötig haben).
In Hotels mit vielen Sternen plus hohen Preisen, in denen Ihr Kolumnist oft wohnt (und Sie ebenfalls, nimmt er an), gibt es im Badezimmer immer Flüssigkeiten zur Körperpflege, in kleinen Behältern. Noch kleiner ist die Beschriftung darauf. Und das führt dazu, dass man sich gelegentlich die Haare mit Körperlotion wäscht und/oder sich eincremt mit Conditioner (doch im Bad eine Brille aufzusetzen, ist fast so unsexy wie die Begleitung – mit schärferem Auge, weil jünger – zu fragen, was auf der Flasche stehe). MvH schlägt vor, in Häusern, in denen sie einem Pflegemittel mit Aufdruck in Microscopique (2,5-Punkt)-Schrift geben, bei der Rezeption anzurufen und zu sagen, man sei gerade unter der Dusche und könne nicht erkennen, in welcher Flasche sich das Shampoo befinde... Ob eine Mitarbeiterin kommen und es zeigen könne (in dieser Spalte wird niemand ausgeschlossen, auch Dominique Strauss-Kahn ist willkommen als Leser, falls er Deutsch kann)?
Und damit ich nicht mit schlechtem Ton das Jahr schliesse, zwei gute Nachrichten aus St. Moritz: Das Essen im«Steffani» ist fein, das Restaurant gemütlich und einigermassen okay, was die Preise angeht. Und für Pizze, wer das mag, geht man in das Hotel «Sonne».
Zum Neuen Jahr wünsche ich nur das Beste, Neues von MvH gibt es ab 5. Januar 2012.




