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Meine Ruhe

Unser Kolumnist trifft alte Bekannte (im Wortsinn) in Zürich. Und fährt danach an die Sonne.



Vergangene Woche war ich in Zürich sowie in Ibiza. Ich hatte eine Einladung zu einem «weihnachtlichen Cocktail Dînatoire (mit Unterhaltung)» (Text auf Karte) im Hotel St. Gotthard von Ljuba Manz-Lurje und Raquel Marquard. Das heisst, ich war Gast von Raquel, wie die meisten Eingeladenen, die noch keine sogenannten «Best Ager» sind (diese waren in der Mehrheit). Ljuba Manz und MvH go back a long way. Eine meiner ersten geschäftlichen Reisen in das Ausland, als Sonntagsblick-Volontär, war nach Ischia, wo Frau Manz eine «Traumvilla» hatte (oder hat), in der ich sie befragen sollte für die Zeitung. Ich erinnere mich ziemlich gut, dass ihr Auftritt ein wenig war, wie man sich den Auftritt einer grande dame en vacances vorstellt als Volontär (oder als Frau Manz) – sie verbrachte die längste Zeit am Strand respektive auf ihrem Zimmer (Mittagsschlaf) und so weiter, wie der Angestellte, der den Haushalt machte, mitteilte (das Interview fand, natürlich, dann schon statt).

Was ich ihr gebe: Sie ist heute noch immer im Geschäft, das muss man zuerst nachmachen (die Hotels, darunter das St. Gotthard, die sie von ihrem Mann geerbt hat – die frühere Austernverkäuferin, angeblich, war die zweite Ehefrau von dem Hotelbesitzer Caspar Manz –, gibt es weiter/gehören der Familie). Ihre Söhne, die Zwillinge Alexander und Michael, über die früher berichtet wurde, sie seien Klavier-Wunderkinder, arbeiten mit. Was ich verpasste vergangene Woche, war, wie Frau Manz auf einem Tisch tanzte in der «Hummerbar». Das ist in Ordnung, ich kann noch immer sehen, vor dem inneren Auge, wie sie an dem Abend auf Ischia sich mehre Male umziehen ging für den Fotografen (der das nicht gewünscht hatte – über drei Seiten war die Geschichte nicht wert), um zum Schluss in einem Bikini unter der Dusche im Garten zu stehen («Titelseite?»)

Weiter aufgefallen ist Christoph «Doktor Narziss» Wolfensberger. «Doktor Narziss», übrigens, war die Headline einer Weltwoche-Kolumne über den Schönheitschirurg vor ein paar Jahren; ich finde sie recht gut (ist ein wenig blöd, wenn ich das schreibe – sie war von mir). Wolfensberger, auf jeden Fall, hat die Haare wie Justin Bieber (und ähnliche Hosen hat er auch an), was in Ordnung ist auf eine Art (auf der anderen Seite ist es ein wenig creepy, ich meine, sind 60 Jahre Altersunterschied ungefähr), weil er gerne Rockstar wäre, erzählte er (spielte Trompete in der «Hummerbar»). Doch er könne nicht zu sehr Rockstar sein, sagte er, weil die Öffentlichkeit sonst meine, er befinde sich im Ruhestand (Ihr Kolumnist meinte, nur Kolumnisten könnten nie aufhören zu arbeiten, weil sie sich sonst ihr Leben nicht mehr leisten können).

Auf Ibiza, für die, die das wissen möchten, hat das Wetter gedreht. Nach ungewöhnlich warmem Oktober, November ist es seit Anfang Woche kühler (am Tag, bei Sonne, 18 Grad, in der Nacht 10). In der grössten Stadt der Insel, wo MvH wohnt, gibt es zurzeit fast keine Touristen, bloss Einheimische und zugewanderte Ausländer. Man lebt also ähnlich wie in irgendeiner spanischen Stadt am Meer, mit anderen Worten schön, gut und in Ruhe. Die Schuldenkrise des Landes, die Euro-Probleme oder dass Banken den sogenannten Stresstest nicht bestanden haben, sind keine Gegenstände, über die man redet (dafür über das Spiel Real Madrid gegen FC Barcelona, el clàsico – Real ging nach 22 Sekunden in Führung vergangenen Samstag, am Ende war es 1:3 für Barça). Ein Gedanke für Leser, die sich für Geld interessieren: Falls eine Bank, mit der man Geschäfte macht, Schwierigkeiten hat, ist das in Ordnung, solange man Schuldner der Bank ist (umgekehrt wäre weniger in Ordnung).

Für Leser, die noch nicht wissen, ob sie an Weihnachten/zu Neujahr in den Süden oder die Berge fahren: Beides geht, finde ich. Auf Ibiza, zum Beispiel, haben die richtigen Restaurants auf («La Escollera» am Strand von Es Cavallet etwa oder «El Clodenis» in San Rafael; sogar «Pachà», der Nachtclub, ist offen an Wochenenden sowie vor Feiertagen) und Hotelzimmer bekommt man mit kurzem Vorlauf. Dito in St. Moritz, behaupte ich. Klar, Rezeptions-Mitarbeiter sagen, Mindestaufenthaltsdauer sei zehn Tage, doch mit dieser Bedingung werden bloss wenige Betriebe davon kommen – teure Angebote (gibt es andere? Ich weiss es nicht) sind verhandelbar dieses Jahr, mit Sicherheit (meine Voraussage ist, diesen Winter fahren Leute hin, die Wohnungen und Häuser haben, und sie nehmen Essen und Toilettenpapier mit).

Die gute Nachricht aus Zürich. Es gibt ein neues Restaurant, in das man geht (falls man kein Kohlenhydrate-Zähler ist): Die «Stapferstube da Rizzo». Für Fleisch, Trüffel und Teigwaren fährt man, vor allem wenn man früher Gast im «Casa Aurelio» war, so sieht es aus, zu Giovanni Rizzo in den Kreis 6.