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Mein kleines Wunder

Unser Kolumnist bleibt zu Hause, das heisst, er verlässt die Stadt nicht. Weil zurzeit hier jeden Abend was los ist.

Eine neue Galerie denkt gross (im Text, keine Angst, kommen halbfette Namen vor).


Vergangene Woche war ich in Zürich. Im «Kaufleuten» fand ein Konzert von Lambchop statt. Ihr Kolumnist findet diese Alternative-Country-Band aus Nashville gut, klar, sonst wäre er nicht hingegangen. Doch er fand die «schier kammermusikalische Anordnung» (Tages-Anzeiger) underwhelming, weil er findet, Musiker sollten ein wenig Show bieten, wenn sie auftreten, sonst hört man lieber Platten zu Hause (zum Beispiel in 8053, auf einem Vintage-Eames-Chair). Was weiter störte: Der Chef der Gruppe, Kurt Wagner, sass am Rand der Bühne, drehte einem halb den Rücken zu, hatte eine Baseballkappe auf . . . Man kann es, natürlich, auch anders sehen – «leise, aber mit grossem Nachdruck», «ein kleines Wunder» (auch dass das Publikum still blieb, Tages-Anzeiger, noch einmal, MvH blieb zwar still, aber blieb nicht lange). Immerhin hätte man den Abend noch mehr auf die Laune schlagend verbringen können: Zur gleichen Zeit war das Spiel FC Bayern München gegen FC Basel.

Ausserdem war ich an einem Opening mit Namen «Arachne’s Return» im Schiffbau. Die Räume, in denen sich eigentlich Arbeitsplätze einer Firma befinden, sind geeignet, wenn man grosse Bilder zeigen möchte; zu sehen gab es Tapisserien, zum Beispiel 3,75 mal 8,55 Meter, hergestellt auf Jacquard-Webstühlen in Belgien, die Werke von Marc Quinn, Manuel Franquelo, Grayson Perry und Craigie Horsfield wiedergeben. Mitverantwortlich für die Ausstellung ist Christina Scheublein, die seit vergangenem Jahr eine Galerie in Zürich führt (Scheublein Fine Art; ihre Familie verkauft Kunst in München). Die Show ist die grösste und teuerste, die ich seit einiger Zeit in Zürich gesehen habe (es sind fast nie die Kinder, die nicht arbeiten, die ihre Eltern am teuersten kommen). Die Verantwortlichen machten, so sieht es aus, die gleiche Einschätzung wie MvH: Es braucht keine weitere Galerie, die kleine Vernissagen mit Werken von unbekannten Künstlern für wenig Geld veranstaltet. Ich wünsche Frau Scheublein und ihren Eltern good luck und empfehle die Show (Schiffbauplatz 5, verlängert bis 14.April 2012).

Schliesslich das Fest zu dem dreijährigen Bestehen der «A Night at the Grand»-Party (ich war Gast von Nicolas J. Maeder, einem der Veranstalter). Als ich um 22.30 Uhr oder so in die Parkgarage des «The Dolder Grand» fuhr, war diese schon voll (inklusive P 2, das zweite Geschoss); es sah aus wie im Showroom eines Händlers von Gebrauchtwagen am oberen Ende des Marktes (viele Modelle von Bentley, Porsche et cetera, zahlreiche mit deutschen Kennzeichen). Veranstaltungsort war der «Ballroom» – Leser dieser Spalte mit Elefantengedächntnis wissen, dass MvH a) keiner ist, der gerne schreibt, früher sei es besser gewesen, doch in diesem Fall muss er schreiben, dass es früher besser war, als «A Night at the Grand»-Partys auch in der Bar stattfanden (wo es gemütlich ist); und b) keiner ist, der mit dem «Ballroom» eine love affair hat, er findet diesen reich an Material und arm an Geschmack. Ganz anders ist es, nur zum Sagen, in der «Sonne» in Küsnacht: Das Hotel mit Restaurants gehört ebenfalls Urs Schwarzenbach, ich mag den Betrieb.

Dafür kamen auf drei Männer ungefähr sieben Frauen, berichtete eine Frau, obwohl ich dort war und selber sehen konnte, dass tatsächlich ungefähr gleich viele Frauen wie Männer anwesend waren (was vom Gefühl her dazu führte, dass die Frau recht hatte). Zahlreiche Frauen waren, übrigens, recht sexy zurecht gemacht – man kam sich im Grunde fast nicht vor wie in Zürich respektive vielleicht wie in einer sogenannten Wellness-Oase in Zürich. Vermutlich wäre es teuer gewesen, einige der Frauen – darunter zahlreiche Russinnen, so tönte es – besser kennenzulernen (weil Prostituierte die billigsten Frauen seien; der ist von Kurt Tucholsky, meinte ich, konnte aber keine Quelle finden für den Satz). Dann begegnete mir Christian Walliker, mit dem ich ein wenig bekannt bin, den ich eigentlich mag und der 2007 in der Weltwoche beschrieben worden war (nicht von Ihrem Kolumnisten; Headline: «Der Investmentbanker», Unterzeile: «Versteuerte im vergangenen Jahr ein Einkommen von rund zwei Millionen Franken»). Ich würde sagen: «That was [maybe] then but this is now» (Privatkonkurs sowie Geldwäscherei-Verdacht seither). Doch er hatte, immerhin, einen Tisch (voller Mittrinker), möglicherweise ist für ihn wieder 2006.

Mit anderen Worten: Die Party war gut. Mitveranstalter Nico Maeder, übrigens, eröffnete vor einigen Monaten mit Patrik Bruderer und Dieter Meier die «Atelier»-Bar am Talacker (hier haben Sie es zuerst gelesen, damals, meine ich, nicht heute, obwohl im Grunde finde ich, die Bedeutung von News werde überschätzt), ich empfehle das Lokal.