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Mein Kniefall

Unser Kolumnist lernt im Ausland, wer neue halbfette Namen sind. Retour in Zürich, produziert er Titelseitenstoff.

Manchmal sagt ein Bild weniger als Worte - was zuvor geschah, steht im Artikel (mit Marco "Bligg" Bliggensdorfer).

Vergangene Woche war ich in Mailand, im «10 Corso Como» fand ein Anlass statt von Franca Sozzani und Anders Warming für Ilaria Venturini Fendi. Das waren viele Namen gedroppt, deshalb l’un après l’autre, wie man in einer anderen Modestadt sagt. «10 Corso Como» ist ein Geschäft, in dem es Kleider, Accessoires und Einrichtungsgegenstände gibt, ausserdem eine Galerie sowie einen Bücher- und Compact-Discs-Laden. Franca ist verantwortlich für Vogue Italia (wir arbeiten gelegentlich zusammen), Anders Warming ist Designchef von Mini, und Ilaria Fendi entwirft Taschen et cetera; früher tat sie es für das Unternehmen, das ihrer Familie gehörte, heute für ihre Marke mit Namen Carmina Campus. Die «Capsule Collection» von fünfzig Einzelstücken stellte sie her aus Teilen des neuen Mini Roadster (Sitzbezüge, Haltegriffe und so weiter), die nicht in Serie gingen; «up-cycling», sagt man dem (MvH war Gast von Mini, und zwar in dem Hotel mit Namen «Maison Moschino», das ich empfehle; die Zimmer haben einen Leitgedanken, bei meinem war dieser «Wald», um das Bett herum stehen nachgemachte Bäume, wirklich).

Zwei Beobachtungen (davon eine neu in dieser Spalte): Leute, die im World Wide Web über Mode et cetera schreiben, nicht für eine Zeitschrift, sondern einfach so, sind mittlerweile wichtig, so sieht es aus. Unter den Eingeladenen waren einige Frauen, die mir das Mädchen von der Public-Relations-Agentur als «famous fashion blogger» vorstellte (etwa Saskia Verhagen von The Clothes Whisperer oder Nunzia Garoffolo, Fashion Beyond Fashion), Mischformen gibt es ebenfalls – J. J. Martin ist Italien-editor at large von Wallpaper (einem Magazin, bei dem ich einmal eine fast so grand daherkommende Funktionsbezeichnung hatte, «Contributing Editor / Switzerland Correspondent») plus Mitarbeiterin des T Magazine-Blogs der New York Times. Zudem, Frauen in Mailand, die ausgehen, machen sich zurecht: Haare gewaschen, Gesicht geschminkt, Kleidung gewählt für den Anlass beziehungsweise, um gut auszusehen, Schuhe dito und nicht, weil sie auch zum Fahrradfahren gehen (das war die nicht neue Beobachtung). Man nennt das, was ich gerade gemacht habe, «Leserinnen vor den Kopf stossen». Ich weiss. Und beabsichtige es nicht, im Grunde (doch wer zur Mehrheit Bestätigung sucht, hört Bryan Adams und liest nicht MvH, denke ich).

Ausserdem begegnete mir Carla Sozzani, Francas Schwester, der ich sagte, ich fände ihr Geschäft mit Namen «10 Corso Como» das beste Geschäft worldwide. Sie erwiderte, sie führe bloss einen kleinen Laden, ich dagegen habe einen grossen Job ... Das ist nicht so, natürlich, aber man hört es gerne, nicht wahr? Gianluca Cantaro, Redaktionsleiter von L’Uomo Vogue, fragte ich, wen er auf dem nächsten Cover habe (Uma Thurman, fotografiert von Bruce Weber). Er fragte, zum Glück, nicht, wen ich auf dem nächsten Cover der «Stil»-Ausgabe habe (keine Schauspielerin, sondern ein Model ohne halbfetten Namen – vom Entwurf her das Sed-Karten-Gegenstück zu «Heisses Girl an Party» in den credits eines Films). Wer die «Stil»-Ausgaben der Weltwoche, für die ich verantwortlich bin, nicht kennt und/oder im Ausland wohnt, wo man diese nicht kaufen kann, teilt mir das bitte mit - und bekommt dann die aktuelle Nummer zugesandt, gratis (das war jetzt das Gegenteil von dem, was man «Leser vor den Kopf stossen» nennt, hoffe ich).

Zur Vergabe der Swiss Music Awards in Zürich. Zwei Headlines nur (ist bereits fast eine Woche her): 77 Bombay Street, eine Gruppe, die aus vier Brüdern aus Graubünden besteht, waren am erfolgreichsten (Gewinner «Best Hit National» für «Up in the Sky» sowie Gewinner «Best Album Pop/Rock National»). Und MvHs Platz befand sich in der letzten Reihe, obwohl er bisher immer (inklusive dieses Mal) schrieb, dass er den Anlass möge und gut finde (wenigstens sass Bernadette «Börni» Höhn, eine ehemalige Musik-Castingshow-Teilnehmerin, zwei Plätze daneben. Sie hat, übrigens, einen neuen Look - Rock Chick meets Art School Girl, ist dünner zudem (sieht gut aus, finde ich).

Zum Schluss News von dem Event: An der Aftershowparty bat ich Marco «Bligg» Bliggensdorfer, sich mit mir fotografieren zu lassen. Er ging dann auf die Knie vor mir, um meine Hosenbeine (eng an den Unterschenkeln, von Ralph Lauren) runterzuziehen bis auf meine Chelsea boots. Als er wieder stand (auf einem Stuhl neben mir) fotografierte uns einer. Sonst passierte nichts. Ich finde es in Ordnung, das man hier Achtung hat vor dem Leben respektive Tun berühmter Leute. Bloss muss man sich das einmal vorstellen, auf ausländische Verhältnisse übertragen: Eminem (oder Kanye West) kniet vor Gay Talese (oder Bob Colacello), um an dessen Hose zu ziehen. Das Bild, denke ich, wäre frontpage-Material. Einverstanden, «Bligg», den ich gut finde und mit dem ich ein bisschen bekannt bin, ist möglicherweise nicht ganz zu vergleichen mit Eminem (oder Kanye West).