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Mein Interview

Unser Kolumnist fährt an eine Party, auf der er Milliardäre und ein Supermodel trifft – zudem Kollegen, die ihn jetzt weniger mögen.

Bedeutender Galerist mit (angeblich) bedeutendem Kolumnisten (rechts).

Vergangene Woche war ich in Berlin, ein Fest zu Ehren von Andy Warhol’s Interview Magazin (deutsche Ausgabe) fand statt. (Zusätzliche Info respektive Haftungsausschluss: Die Zeitschrift kam bereits am 27. Januar erstmals raus, doch die Verantwortlichen warteten zu mit der Party bis am Vorabend der Berlinale-Eröffnung, weil für die Filmfestspiele halbfette Namen in die Stadt fahren. Und MvH ist bei Interview als Schreiber im Boot, im Grunde.) Veranstaltungsort war die ehemalige Jüdische Mädchenschule an der Auguststrasse, in Ostberlin, wo Ihr Kolumnist selten hingeht, er mag den Westen der Stadt. However, die neue «Pilgerstätte für Kunstliebhaber» (Berliner Morgenpost) hat ihm gefallen. Im Erdgeschoss gibt es Feinkost und koscheres Essen, doch das Restaurant war, natürlich, zu - Partys in Berlin beginnen spät.

In einem Raum im vierten Stock – halb so gross wie ein Fussballfeld fast . . . Platz und Räume haben sie in Berlin, kann man schreiben – sang Charlotte Gainsbourg (mit fünf oder sechs sie begleitenden Musikern, was recht gut ist für den Launch eines Magazins, wenn man es sich überlegt). Unter den Zuhörern war Jake Gyllenhaal, der mir gefällt als Schauspieler, bloss erkannte er mich nicht. Ebendort begegnete mir Alexander Schönburg oder, genauer, Alexander Graf von Schönburg-Glauchau, mit dem ich bekannt bin. Er kennt im Verhältnis vielleicht doppelt so viele halbfette Namen in Berlin wie MvH in Zürich, und das ist nicht schlecht – sein day job ist Ressortleiter «Letzte Seite» der Bild-Zeitung. Alexander stellte mich einem vor mit folgenden Worten: «Das ist Mark van Huisseling, der bedeutendste Kolumnist der Schweiz.» Und ihn stellte er vor: «Das ist Gerd Harry Lybke, der bedeutendste Galerist Deutschlands», was vermutlich vom Entwurf her irgendwie stimmt (seine Galerie heisst «Eigen + Art», befindet sich in Leipzig und Berlin, er vertritt, unter anderen, Neo Rauch und Martin Eder). Gerd Harry, der «Judy» genannt wird (in Anlehnung an einen rotblonden Wuschelkopf aus der Serie «Lieber Onkel Bill», steht bei Wikipedia, obwohl er fast eine Glatze hat heute), sagte, wir seien in dem Fall sehr bedeutend oder sogar bedeutungsschwanger. Anschliessend fragte er, und das fand ich interessant, wer Alexander sei. Oder, wie ich immer schreibe: Als Journalist ist es nicht so wichtig, wen man kennt, wichtig ist, wer einen kennt.

Eine kurze Zeit lang meinte ich danach, ich sei in der Redaktionskonferenz des Magazins vom Tages-AnzeigerFinn Canonica, Miklós Gimes und Daniel Binswanger befanden sich neben mir. Man weiss ja nie richtig, worüber man reden soll mit Kollegen, wenn diese für eine Geschichte unterwegs sind wie man selber. Glücklicherweise (für mich) kam in dem Augenblick Jörg Koch, Interview-Chefredaktor, vorbei und führte mich in das abgetrennte Zimmer, in dem es weitere Gäste gab (wer schon immer wissen wollte, wie man sich mit 25 Worten drei Feinde macht, hat es gerade gelesen).

Ich sah Wladislaw Doronin, den Immobilienunternehmer, dem die deutsche und russische Ausgabe von Interview gehören. Ich redete einige Minuten mit ihm, über die Hefte, über Häuser und so weiter (das war ein genauer Satz: «Ich redete mit ihm», er sagt wenig, macht selten Rückmeldungen, ich bin ein wenig bekannt mit ihm) – es war ein gutes Gespräch, denke ich. Seine Freundin, Naomi Campbell, und ich haben weniger gemeinsame Interessen, so sieht es aus, obwohl sie an diesem Abend sweet war zu allen und sich gut zu unterhalten schien (sie hat schöne Haut, finde ich, aber ihre Haare, die zurzeit recht kurz und ein wenig bewegt sind, gefallen mir lange und gerade besser). Heike Makatsch war auch dort (finde ich attraktiv); zudem Peter Brant (Filmproduzent, Besitzer der Fa. Brant Publications, die etwa das amerikanische Interview-Magazin herausgibt, Kunstsammler, Ehemann von Stephanie Seymour sowie billionaire, 2,4 Milliarden angeblich, finde ich attraktiv, ebenfalls, auf seine Art), ausserdem Anja Schwing, Mit-Gastgeberin und Interview-Publishing-Director (so etwas wie die Verlagsleitung). Die erste Ausgabe der Zeitschrift, für die, die das interessiert, war nur ein wenig weniger gut als die Party – die Bilder von James Nachtwey, der Bangkok fotografierte, wo er wohnt, sowie Briefe von Adriano Celentano an Maurizio Cattelan (und umgekehrt) mochte ich (ich empfehle das Heft).

Die gute Nachricht zum Schluss aus Zürich: Am 23. Februar ist Claudio Zuccolini Gaststar von MvH an der «Promi-Interview-Night» im «Meylenstein» in Zürich Tiefenbrunnen (Vorsicht: früherer Veranstaltungsbeginn, 18.30 Uhr, mehr «After Work» als «Night» also). Zwei Männer, einer, der lustig ist, und einer, der sich lustig findet – das kann lustig werden (für MvH-Leser ist der Eintritt gratis).