NEWSLETTERANMELDUNG

Ich möchte über neue Kolumnen informiert werden und erlaube, dass meine Angaben hierzu verwendet werden:


Anrede:

KONTAKT



NEWSLETTER
Jetzt abonnieren

AUTOR


KONTAKT


ARCHIV




NEU! mit Leserkommentaren am Fuss

Wer hoch aufsteigt, kann tief fallen. Oder etwas anderes, Neues anfangen.

«Finger auf die richtige Stelle»: Künstlerin, Kletterin und Ex-Nationalrätin Lalive. (Bild: Tanja Demarmels für die Weltwoche)

«Sind Sie aufgeregt vor der Enthüllung Ihres Kunstwerks, kann dabei noch was schiefgehen [ab 5. August soll an der Albigna-Staumauer im Bergell ein 1300 Quadratmeter grosses, mittels eines Helikopters angebrachtes Bild von ihr zu sehen sein; das Motiv der sogenannten Kunstintervention ist bis dann geheim, bekannt ist bloss, dass es etwas mit den Bergeller Bergen zu tun hat]?» – «Das Bild, also die Produktion, habe ich im Griff; der Teil, bei dem meine Kompetenz gefragt ist, ist fast der einfachste. Aber nervös bin ich schon: Weil es die Vorstellungskraft übersteigt, natürlich kann man Fotomontagen machen, aber wie es [das Werk] dann in der Natur aussieht und wirkt, kann man nicht simulieren. Der Stoff zum Beispiel [auf den das Motiv gedruckt ist] lässt Luft durch, es gibt ganz kleine Löcher da- rin, das ist nötig wegen des Winds, und das ist für mich auch ein Novum ... Ich bin eigentlich überzeugt, dass es gut kommt. Auf der anderen Seite: Es ist für alle Beteiligten ein Abenteuer, und das macht es spannend.»

Maya Lalive ist eine Schweizer Künstlerin und Kletterin; sie lebt in Bäch und arbeitet in Linthal (Kanton Glarus), wo sie ein Atelier hat und es eine dauernde Ausstellung von Werken von ihr gibt, sowie im Bergell. Früher war sie bekannt als FDP-Nationalrätin des Kantons Schwyz respektive dafür, dass sie 2003, nach bloss einer Amtsdauer, nicht wiedergewählt wurde. 2005 wurden ihr «happige Vorwürfe» (Bilanz) gemacht, beispielsweise im Tages-Anzeiger – «Abzockertum, Nepotismus, Filz» –, es ging um ihren Posten als Geschäftsführerin der ETH Zürich Foundation. Danach suchte die ehemalige selbständige Kommunikationsberaterin, die auch eine Zeitlang bei grossen Unternehmen in höherer Stellung gearbeitet hatte, öffentliche Auftritte und die damit verbundene Ausstrahlung nicht länger. Stattdessen begann sie zu klettern und Kunstwerke herzustellen, die mit Felsen im Zusammenhang stehen – sie fotografiert und malt abstrakte Bilder mit Naturpigmenten. Anfang August zeigt sie ihr bislang grösstes Werk mit Namen «Rockart 2016»: ein Bild auf einem 750 Kilo schweren, 1300 Quadratmeter grossen Stück Stoff, das an der Albigna-Staumauer im Tal Bergell in Graubünden angebracht wird (bis 28. August). Sie ist in zweiter Ehe verheiratet mit Thierry Lalive d’Epinay, dem ehemaligen Präsidenten der SBB.

«Die Kosten des Werks sind 300 000 Franken, sagen Sie. 200 000 davon sind Eigenleistungen von Ihnen und Beiträge von Privaten und Stiftungen, 100 000 Franken sollen durch Fundraising zusammenkommen – wie sammelt man Geld, wenn man wirtschaftlich unabhängig ist?» – «Es kann sein, dass der eine oder andere das denkt, aber ich bin nicht wirtschaftlich unabhängig, als Künstlerin verdiene ich nicht wahnsinnig viel [ihre kleinen Airbrushbilder kosten ab 2500, grosse Werke aus mehreren Bildern bis 25 000 Franken; grosse Formate, sagt sie, würden selten gekauft]. Das war ein issue [ein Punkt]: Kann ich es machen, oder scheitert’s am Geld? Aber ich hab mir zugetraut, dass ich einen Teil des Gelds sammeln kann. Und dass man im Nachhinein, wenn es wirklich gut wird, Originalteile des Werks erwerben kann. Und wenn das nicht geht, muss ich es halt abstottern.» – «Einen Galeristen zu finden, der Werke vorfinanziert, wäre eine Möglichkeit …» – «Heute geht es eher in die Richtung, dass sich der Künstler auch verantwortlich fühlt, seine Kunst zu finanzieren. Das war früher übrigens auch so, Rembrandt und Rubens oder Michelangelo – das waren Manufakturen, und der Meister hat nur da Hand angelegt, wo es um Schlüsselszenen ging, er hat vor allem die Idee, das Konzept entwickelt. Man hat primär Auftragsarbeiten angenommen, es musste sich kommerziell rechnen. Ich geh’ ein Risiko ein, aber das ist ein Teil der künstlerischen Herausforderung.»

«Gibt’s Parallelen zwischen Kunstmachen und Klettern?» – «Eigentlich schon, man muss sich bei beidem total fokussieren, mit Angst umgehen lernen. Bei der Kunst, die ich mache, muss man ins Detail gehen und den Finger auf die richtige Stelle legen. Es gibt viele Möglichkeiten, aber nicht viele richtige. Und beides braucht Mut, jedenfalls, wenn man von dort kommt, wo ich herkomme.» – «Vermissen Sie die Politik nicht?» – «Nein, ich denke, meine Fähigkeiten liegen nicht unbedingt in der Politik. Ich denke nicht, dass ich der Typ dazu bin. Ich hab’s gern, wenn ich meine Vorstellung relativ ungetrübt verwirklichen kann, sonst wär’ ich jetzt nicht da und auf der Staumauer [mit ihrem neuen Bild]. Ich wollte schon immer künstlerisch tätig sein – ich glaube, jetzt bin ich angekommen. Jedenfalls für heute und die nächsten Jahre.»


Ihr liebstes Restaurant: Albergo Corona, Vicosoprano, Tel. 081 822 12 35

Kommentar schreiben

Kommentare

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.