Meine Oase
Unser Kolumnist fährt nach Deutschland, wo ihm recht viel auf die Nerven geht. In Zürich entdeckt er ein neues Restaurant.
München isn't working - auf diesem Bild zwar nicht sichtbar, weil zu früh aufgenommen. Isarvorstadt, 11. Mai, 09.15 Uhr.Vergangene Woche war ich in München. Nicht wegen eines Anlasses, sondern weil ich ein Kundenmagazin herstellte im Büro von und mit Mirko Borsche, einem Kreativdirektor, sowie Mitarbeitern (man kann von mir Zeitschriften bekommen als Unternehmenschef, falls man wohlmeinend und, vor allem, von der Aufmachung her gefallend kommunizieren will, markvan@bluewin.ch, für Newsletter-Leser Spezialangebot; Borsche ist Gewinner zahlreicher Lead Awards für von ihm gestaltete Magazine). Bevor ich, wie man es von MvH erwartet, Empfehlungen für Hotels und Restaurants abgebe, eine allgemeine Beobachtung aus Deutschlands drittgrösster Stadt.
München hat nicht mehr viele Einträge im internationalen gesellschaftlichen Kalender, wie man weiss, wenn man diese Spalte mit Regelmässigkeit liest (weil man darüber wenig liest). Wenn etwas los ist in Deutschland, dann mehrheitlich in Berlin. Das meine ich nicht als strenges Urteil, ich finde, es ist gemütlich an einem Ort, der Nummer zwei (oder drei) ist (darum finde ich es auch angenehm in der Schweiz. Neu, und vielleicht nur dieses Mal: MvH mit ein wenig Bescheidenheit). Was einem zudem auffällt, wenn man München mit dem Bild, das man sieht in Zürich zum Beispiel, vergleicht: Es gibt zu jeder Tageszeit recht viele Leute im öffentlichen Raum, die nichts zu tun haben, ausser herumzusitzen und Bier zu trinken. Vielleicht hatte das damit zu tun, dass es vergangene Woche Tage mit Temperaturen um dreissig Grad gab. Doch vielleicht auch mit München isn’t working (dabei waren die Münchner und Bayern so etwas wie die Deutschschweizer Deutschlands die längste Zeit).
Hotels, die MvH in München empfehlen kann: keine, im Grunde. Das war jetzt ein wenig allgemein, schon klar. Er wohnt, wenn er geschäftlich in der Stadt ist, im Hotel «Altschwabing» oder im «Jedermann». Und wenn er sich privat (also eher in einem romantic Zusammenhang) dort aufhält, im «Cortiina». Doch die Geschichte ist die: Das «Altschwabing» ist fast immer voll, ausser man will ein Zimmer, wenn keiner eines will, respektive bucht Monate im Voraus (wer kann das in unserer recht schnellen Zeit und Branche?). Das «Jedermann» ist in Ordnung zum Normalpreis (um 90 Euro für eine Person/Nacht im Doppelzimmer [Frühstück inklusive]), die Preise aber schwanken fast wie in Las Vegas – vergangene Woche zum Beispiel fand die «IFAT Entsorga» (Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft; Eigenreklame) statt, und ein Zimmer kostete 210 Euro. Ich meine, Ihr Kolumnist ist für Marktwirtschaft und so, aber 133 Prozent mehr zahlen für die gleiche Klitsche ist irgendwie hart, findet er (plus «IFAT Entsorga»-Besucher sind nicht sexy zum Ansehen, so sieht es aus).
Noch schlechter, nebenbei, wäre ein München-Aufenthalt diese Woche gewesen: Wegen des Champions-League-Finals vom kommenden Samstag kostet etwa ein Doppelzimmer in einem Zweisterne-Haus, habe ich in der Bild gelesen, statt 67.50 Euro 999 Euro. Man wünschte es den Münchnern fast, wenn es nicht ein wenig unfair wäre (und man den Chelsea Football Club nicht noch weniger mögen würde, so sehe ich es wenigstens, als Besitzer eines Hauses in Ibiza, fühlt man sich Barcelona und dem dortigen Verein ein wenig nahe), dass es ihrem Verein gleich gehen wird, wie es vergangenen Samstag gegen Borussia Dortmund im deutschen Cupfinale ging (Borussia: 5, Bayern: 2). So gesehen ist das «Cortiina» die bessere Wahl – ich finde es year-round zu teuer (Doppelzimmer ab zirka 250 Euro), doch die Zimmer (und Gäste) sehen okay aus. Was ich empfehlen kann: Restaurantbesuche. Zum Beispiel in der «Königsquelle» (Baaderplatz, Wiener Schnitzel nehmen) oder, bei schönem Wetter, in «Cihans Lokal» (Nähe Roecklplatz, draussen sitzen).
Die gute Nachricht aus Zürich: MvH hat die Wirtschaft «Degenried» («die Oase mitten im Wald», Eigenreklame) entdeckt. Sie liegt in dem Wald beim Adlisberg zwischen, grob, Dolder und Witikon oder, mit anderen Worten, zehn Minuten zu Fuss von dort, wo Ihr Kolumnist wohnt (er würde dafür auch, ehrlich, weiter gehen). Das «Degenried» befindet sich in einem Holzhaus im nordischen Stil mit grosser Terrasse und ist ein Lokal, wie man es sucht: eingerichtet im, sagen wir, Schweizer Stil, aber zeitgemäss. Und das Essen ist ebenso; ich empfehle Kalbsleber sowie Cremeschnitte, hausgemacht, danach (Sie können mir glauben, ich zahle immer den vollen Preis im «Degenried» ). Ein Restaurant in der eigenen Stadt zu entdecken, das es schon lange gibt, macht Freude. Ein Restaurant neben seinem Zuhause zu entdecken, ist wie ein Geschenk von einem Unbekannten zu bekommen (an Auffahrt offen ab 11.30 Uhr).



