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Die Tochter aus gutem Haus will das kleine der grossen Auktionshäuser in Zürich bekannt machen.

«Genau das Lässige»: Auktionshaus-Repräsentantin und Patriziertochter Bodmer. (Bild: Daniele Kaehr & Maya Wipf für die Weltwoche)

«Ihre Aufgabe ist es, vereinfacht, Besitzer von Kunstwerken zu finden, die diese von Ihrem Arbeitgeber versteigern lassen, richtig?» – «Das kann man so sagen. Ich such’ aber natürlich auch Käufer, weil jedes Werk, jedes Bild oder Auto und so weiter, das wir verkaufen, auf der anderen Seite einen Käufer braucht.» – «Was ist einfacher, Verkäufer oder Käufer zu finden?» – «Wenn wir etwas in unserem Sale haben, das ein breites Publikum anspricht – zum Beispiel das Notizbuch von Freddie Mercury –, findet das einen Käufer. Wir haben aber auch Sachen, die schwieriger zu verkaufen sind, das können Bilder von zeitgenössischen Malern sein, die besonders gross sind oder besonders teuer oder vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Aber es ist so, dass es schwieriger ist, Verkäufer zu finden als Käufer.» – «Haben Sie reingeschaut ins Notizbuch von Freddie Mercury? Steht was drin oder gibt’s nur Zeichnungen?» – «Nein, die ganzen Songtexte von Queen sind drin.»

Andrea Bodmer ist seit vergangenem Jahr Regional Representative für Bonhams in Zürich (etwa «regionale Vertreterin»); Bonhams wurde 1793 in London gegründet und ist «eines der grossen Auktionshäuser» (Quelle: Handelszeitung), es gibt bereits eine Niederlassung in Genf. Sie hat in Zürich Rechtswissenschaft studiert, ausserdem art and business in London. Vor der Aufnahme ihrer Tätigkeit für das Auktionshaus arbeitete sie beim Schweizer Generalkonsulat in New York und für eine Anwaltskanzlei in Zürich. In der Weltwoche wurde sie beschrieben als bildhübsche Tochter – «ihr Gesicht erinnert an das von Angelina Jolie» – aus der Patrizierfamilie Bodmer.

«Ihr Arbeitgeber, Bonhams, ist kein house-hold name [allgemein bekannt], in der Schweiz jedenfalls nicht.» – «Das ist meine grosse challenge [Herausforderung]: in der Deutschschweiz den Namen bekannt zu machen. Das heisst, in Autokreisen kennt man uns gut, dort [bei der Versteigerung klassischer Autos] sind wir Marktführer. Aber es ist eine interessante Aufgabe, zu zeigen, was wir können: Unser Auktionshaus gibt es seit 1793, wir sind erfolgreich [drittgrösstes Auktionshaus mit 700 Mitarbeitern; Firmenangabe], am Expandieren, in 25 Ländern haben wir Vertretungen, und auch in Zürich sind wir, hoffentlich, bald bekannter. Und unsere Dienstleistung ist top.» – «Sie kommen aus einer Familie mit Ausstrahlung, schon in Ihrer Verwandtschaft dürfte es einiges zu versteigern geben – war das mitentscheidend dafür, dass Sie den Job bekamen?» – «Ich glaube, dass es ein Vorteil ist, wenn man ein grosses Netzwerk hat – ich bin hier aufgewachsen, meine Familie ist schon lange in Zürich [1543 eingebürgert, «Historisches Lexikon der Schweiz»], das hilft. Aber es ist bloss ein Anfang und keine Garantie, dass mein Geschäft ein Erfolg wird. Ich muss zeigen, dass wir etwas können, es sogar besser können in gewissen Bereichen.» – «Was kann Ihre Firma besser als Sotheby’s oder Christie’s?» – «Wir haben departments, die die anderen zwei Auktionshäuser nicht mehr haben, sei es Keramik, sei es Glas – wir haben zum Beispiel einen sale, in dem nur europäisches Porzellan verkauft wird. Und wenn man Impressionisten oder zeitgenössische Malerei nimmt, haben wir einen Nischenmarkt, wir verkaufen nicht den Zehn-Millionen-Warhol, sondern Werke in der Preiskategorie, die Sotheby’s und Christie’s in den day sales [Nachmittagsauktionen] haben. Wir haben sorgfältig kuratierte Auktionen mit wenig Losen, vierzig bis fünfzig Werke, und jedes Werk bekommt eine massgeschneiderte Behandlung [versteigert wird in London in der Regel].»

«Ich stell’ es mir schwierig vor, Familienkontakte anzugehen, ob sie vielleicht die Kunstsammlung verkaufen wollen, ohne allen auf die Nerven zu fallen – wie sehen Sie’s?» – «Mein Job ist ein sales job und hat den Aspekt von Dranbleiben und den Namen [der Firma] zu verkaufen, dabei aber nicht mühsam zu sein. Sondern gute Kundenbeziehungen aufzubauen und langjährig zu pflegen. Zu zeigen, dass man da ist, um Fragen zu beantworten, und man Erfolge vorweisen kann. Man muss Geduld haben.» – «Hat schon jemand gesagt, Sie wären besser in der Anwaltskanzlei geblieben und dort aufgestiegen, statt für ein Londoner Auktionshaus eine Präsenz in Zürich zu schaffen?» – «Das ist doch genau das Lässige: Ich bin da und kann ein Büro von null auf aufbauen. Ich habe ein Start-up-Unternehmen, in das ich nicht mein eigenes Geld investieren muss.» – «Was werden Sie als Nächstes tun?» – «Mir eine sehr schöne private Sammlung anschauen, es geht um asiatische Kunst, ich bin ganz aufgeregt.»

 

Ihr liebstes Restaurant: Lumière. Widdergasse 5, Zürich, Tel. 044 211 56 65

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